Eine ganz persönliche Gartenschau

Hortulus botanicus - Die Welt des Kleinen in unseren Gärten

Herzlich begrüßte Dipl. Biologin Susanne Petersen, stellvertretende Technische Leiterin des Botanischen Gartens, Herrn Dr. Erich Lüthje am 29. Oktober 2014.

Mit Humor und großem Fachwissen nahm er eine interessierte Zuhörerschaft mit zu einer ganz persönlichen Führung in die Welt des Kleinen in unseren Gärten.  Eindrucksvoll präsentierte der Biologe im Zeitraffer, wie sich ein im Garten ausgegrabener und rasch auf den Labortisch gestellter Elfenkrokus (C. tommasinianus) innerhalb von weniger als 8 Minuten zur vollen Blütenschönheit entfaltete.

Anhand von beeindruckenden Makroaufnahmen machte der Biologe deutlich, dass unter Garten nicht nur Stauden, Bäume und Sträucher zu verstehen sind, sondern auch und gerade die fleißigen Humuswerker in Komposthaufen und Boden. Er zeigte, wie es dank zahlreicher winziger aber auch großer Lebewesen – (allen voran der Regenwurm als Meister aller Klassen mit seinen vielen weißen Brüdern, der Tausendfüßler als friedfertiger Mitarbeiter und braver Müllwerker, der räuberische Hundertfüßler, die Springschwänze, Milben oder Raubkäferlarven – um nur einige zu nennen) und einer Vielzahl an Mikroorganismen möglich wird, dass aus organischen Stoffen am Ende wunderbarer Kompost entsteht – besser als jedes käufliche Düngemittel!

Es folgte ein Exkurs in die evolutionäre Anpassung. Ausgehend von der Theorie, dass die ersten Blüten windbestäubt und eher einfach strukturiert waren,  konnten wir anhand von Makroaufnahmen am Beispiel von Leberblümchen und Winterlingen verfolgen, wie im Laufe der Evolution aus den Staubblättern duftende Blütenblätter entstanden sind. Sie erhöhen durch ihre Signalwirkung auf potentielle Bestäuber den Bestäubungserfolg. Gerade im Frühling stellen diese Pflanzen eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Insekten dar und tragen somit indirekt auch zum Wohlergehen der heimischen Vogelwelt bei.

Leberblümchen (Gartenform); Mikroaufnahme mit 2x-Objektiv, Dunkelfeldkondensator und Buntlicht (ca. 14fache Vergrößerung)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Eine Betrachtung des Scharbockskrauts (Ranunculus ficaria) unter dem Mikroskop mit Farbgemisch rot/blau, bei dem sich nur die Narben färbten, erbrachte den Beweis, dass bei dieser Pflanze weibliche Fruchtblätter vor den männlichen Staubbeuteln reifen (Proterogynie oder Vorweiblichkeit, natürlich gibt es auch den umgekehrten Fall, die Proterandrie). Je nach zeitlichem Versatz kann so eine Selbstbefruchtung im Extremfall komplett ausgeschlossen und damit eine größtmögliche Chromosomenvielfalt gesichert werden.

Blüte des Scharbockskrauts (Ranunculus ficaria). Differenzierung bei der Staubblattreifung (von außen nach innen), bei gleichzeitiger Reife der Narben

Weiter ging es zu Rasenflächen und  der Vorstellung der häufig dort befindlichen „B-Mannschaft“, bestehend aus Gundermann, Purpurnessel und Goldnessel. „Damit dekorieren Blaumeisen ihre Nester“, so der gutgelaunte Biologe. Und er brach eine Lanze für Mischhölzer und Moos im Rasen sowie  an Baumstämmen, das von Hauben- und Tannenmeisen zum Nestbau benötigt wird. Außerdem plädierte er dafür, dass Meisen nicht die handelsüblichen Kästen, sondern richtig große Eigenheime zur Verfügung gestellt bekommen sollten. Oft hätten die Elternvögel zusammen mit den Nachkommen kaum Platz zum Ausruhen.

Sehr interessant:  der Punktierte Gilbweiderich (Lysimachia punctata) als Spezialitätenrestaurant für die seltene Schenkelbiene, die dort Pollen und Blütenöl (aus den Blattdrüsenhaaren) sammelt und streng an diese Pflanze gebunden ist.

 

 

Schenkelbiene sammelt ölhaltige Pollen des Gilbweiderich

Im Detail: Zwei Öl-Drüsen am Rand eines Blütenblattes; mit Pollenkorn an der rechten Seite

 

Auch Beete und Wege haben ihre "Florale B-Auswahl" (mancherorts als Unkraut bezeichnet), darunter Günsel, Hornkraut, Persischer Ehrenpreis, Quendelblume, Ehrenpreis, Weißklee, Löwenzahn und Gänseblümchen.
Last but not least  widmete sich Herr Dr. Lüthje dem Teich mit seinen zahlreichen interessanten  und teilweise wunderschönen Lebewesen: Wasserschnecke mit Glockentierchen, Kugelalgen, Rädertierchen, Büschelmückenlarven, Wassersterne u.v.a.m. in beeindruckenden Makroaufnahmen – eine kleine Welt für sich.

 
Abb. 1: Wassertröpfchen über einem Scheideblatt des Ackerschachtelhalmes(Equisetum arvense), die Farben entstehen durch polarisiertes Licht. Abb. 2-4: Impressionen aus der Frucht von Lunaria annua (Scheidewand).

Der gelungene Vortrag fand großen Beitrag bei den Naturfreunden. Ein herzliches Dankeschön an Herrn Dr. Erich Lüthje an dieser Stelle.

Fotomaterial: Erich Lüthje

AnBoeh