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Reiserisiko Tier

Was Reiseführer oft verschweigen
Nach einer herzlichen Begrüßung durch Dipl. Biologin Susanne Petersen, stellvertretende Technische Leiterin des Botanischen Gartens und Mitglied des Freundeskreises übergab diese das Wort an Dr. Rudolf König. Der ehemalige Kustos des Zoologischen Museums erinnerte sich an die Zeit, als er vor vielen Jahren nach Kiel kam, dabei die geschätzte Bekanntschaft mit Hermann Jacobsen machte und in der er immer wieder fotografieren und sich im Botanischen Garten frei bewegen konnte. Sein Vortrag „Reiserisiko Tier - Was Reiseführer oft verschweigen“ am 12. März 2014 sollte ein Dankeschön an die Institution Botanischer Garten sein.

Anhand beeindruckender Lichtbilder führte Dr. König eine interessierte Zuhörerschaft ins Reich der Spinnentiere. Wir erfuhren, dass Spinnen im Allgemeinen nicht aggressiv sind, sondern sich nur wehren, wenn sie sich angegriffen fühlen. Und dass ein Biss zwar schmerzhaft, aber in den seltensten Fällen tödlich sein wird, wobei sich Allergiker natürlich vor jeglichem Spinnenbiss in Acht nehmen müssten.

Nicht alle Vogelspinnen (Theraphosidae) sind gemütlich, führte Dr.König weiter aus. Der Biss sei zwar schmerzhaft, jedoch relativ harmlos. Allerdings könne der Biss von manchen Vertretern aus Afrika, Asien und Südamerika beträchtliche gesundheitliche Einschränkungen zur Folge haben. Einige dieser Spinnen besitzen Brennhaare, die sie wie Harpunen abwerfen und die dann an den betroffenen Stellen starke Reizungen hervorrufen können.

 

 

Vogelspinne (Poecilotheria regalis) 

Schwarze Witwen (Kennzeichen: schwarzer Körper oft mit roten Flecken) besitzen wohl zu Unrecht einen besonders schlechten Ruf. Allerdings verspeist diese Spinne – wie viele andere Spinnenarten auch – oft nach der Paarung das deutlich kleinere Männchen und wird dadurch zur „Schwarzen Witwe“. Das Verbreitungsgebiet für diese Tiere erstreckt sich über Europa, den Nahen Osten, Afrika, Asien, China und den amerikanischen Raum. Ihr Biss kann Übelkeit und Krämpfe hervorrufen.

Ganz anders verhält es sich beispielsweise bei den in den Süd- und Mittelamerika lebenden Kampfspinnen (aranhas armadeiras =bewaffnete Spinne) aus der Familie der Kammspinnen (Ctenidae). Diese gelten zum Teil als äußerst aggressiv und hochgiftig; ihr Gift kann lebensgefährlich sein! Berüchtigt ist die Schwarzbäuchige Kampfspinne (Phoneutria nigriventer), da sie sehr aggressiv sein kann und eines der gefährlichsten tierischen Gifte besitzt. Ihr Biss ist ungeheuer schmerzhaft und kann über Lähmung des Atemzentrums zum Tode führen.

Meiden sollte man ebenfalls den Kontakt mit der unauffälligen Braunspinne (Loxosceles reclusa) aus der Familie der Sicariidae. Sie lebt ebenfalls in Süd- und Mittelamerika als weitverbreitete Hausspinne und versteckt sich gerne hinter Ritzen und in dunklen Ecken. Die Spinne gilt als scheu, doch ein Biss kann schwere Gewebeschäden verursachen! Eine verwandte Art kommt in Südeuropa vor. Bissunfälle mit der europäischen Art sind bisher nicht bekannt.

Wer hätte gedacht, dass auch Skorpione der Klasse Spinnentiere angehören? Sind sie giftig oder ungiftig? Als Grundregel gilt, so Dr. König: Je kräftiger und schaufelförmiger die Scheren sind, umso ungiftiger sind die Skorpione. Vertreter mit schmalen Scheren dagegen gehören zu den auch für den Menschen sehr giftigen Skorpionen. Dies wird klar an der Abbildung des lebendgebärenden in den tropischen Wäldern West- und Zentralafrikas beheimateten Kaiserskorpions (Pandinus imperator) aus der Familie der Scorpionidae. Seinen Stachel setzt er eher selten ein, er erlegt seine Beute hauptsächlich mit den kräftigen Scheren. Ein Stich von ihm ist vielleicht schmerzhaft, aber nicht lebensbedrohlich.

 

Der in Nordafrika und im Nahen Osten verbreitete Gelbe Mittelmeerskorpions (Leiurus quinquestriatus) aus der Familie der Buthidae dagegen besitzt recht dünne Scheren. Er zählt zu den giftigsten Skorpionen der Welt und gilt als äußerst aggressiv. Ein Stich von ihm kann zum Tode führen; sein Gift wirkt auf das zentrale Nervensystem.

 

 

 

 


Beeindruckend waren auch die Fotos eines Hundertfüßers (Skolopender), einer Aga-Kröte und eines bunten Pfeilgiftfrosches, deren Hautsekrete einen wirkungsvollen Abwehrmechanismus darstellen.

Weiter ging es zu den Giftschlangen. Auch hier gab es wieder zahlreiche Informationen über Verbreitungsgebiet, Eigenheiten und Stärke des Giftes.

Neben der in Mitteleuropa heimischen Kreuzotter (Vipera berus) zählen die Aspisviper (Vipera aspis), die Sandotter, auch Europäische Hornotter (Vipera ammodytes) genannt, zu den wichtigsten Giftschlangen Europas. Ihr Biss kann unbehandelt sogar für den Menschen tödlich sein.

Einer hellgrün gefärbten Schmalkopf-Mamba (Dendroaspis angusticeps) könnte man in Afrika begegnen. Auch ihr Gift ist für den Menschen sehr gefährlich. Die Gefährlichkeit wird jedoch noch von der Schwarzen Mamba (Dendroaspis polylepis), der längsten Giftschlange Afrikas, übertroffen. Auch sie gehört der Familie der Giftnattern an. Ihre Namensgebung verdankt sie der schwärzlichen Färbung im Racheninnenraum. Die Schwarze Mamba gilt als aggressiv und ihr Nervengift kann schnell zum Tod führen.


Schwarze Mamba (Dendroaspis polylepsis)

Die Gabunviper (Bitis gabonica rhinoceros) gehört mit einem maximalen Körpergewicht von etwa 10 Kilogramm zu den schwergewichtigsten Giftschlangen der Welt. Sie lebt in den Regenwaldgebieten Afrikas und wartet sehr gut getarnt auf dem Boden auf Beute. Besonderheit: Die Gabunviper besitzt bis zu 5 cm lange Giftzähne.

Zu den berüchtigsten Schlangen südlich der Sahara zählt die sehr giftige Puffotter (Bitis arietans) aus der Familie der Vipern. Ihr zytotoxisch wirkendes Gift erzeugt schmerzhafte Schwellungen, ist gewebezerstörend und kann zu schweren Schädigungen des Blutkreislaufs bis hin zum Kreislaufkollaps führen.

Die aggressive Sandrasselotter (Echis carinatus) zählt zu den kleineren aber nicht weniger giftigen Vipern. Mit ihren seitlichen Schuppen erzeugt sie ein raschelndes Geräusch. Ihr Verbreitungsgebiet  und das verwandter Arten sind die Trockengebiete Indiens, Sri Lankas, Arabiens und Nordafrikas. Ihr hämotoxisch wirkendes Gift führt oft zum Tode.

Die Brillenschlange (Naja naja), auch Indische Kobra genannt, ist eine gefährliche Giftnatter. Sie werden von Schlangenbeschwörern für Vorstellungen dressiert und von diesen in Körben gehalten. Ihr Verbreitungsgebiet ist der asiatische Kontinent. Ihr Gift wirkt neurotoxisch.

 

 

 

 

Flötenspieler mit indischer Kobra

Auch die in Südostasien beheimateten Kraits (Bungarus) gehören der Familie der Giftnattern an. Ihr Biss ist unauffällig und wird kaum wahrgenommen. Unbehandelt führt das neurotoxisch wirkende Gift zum Atemstillstand.

Dann führte uns Dr. König zu den im nordaustralischen Bereich sehr verbreiteten Seeschlangen. Sie sind hervorragend an das Leben im Meer angepasst. Ihr gefährliches Gift kann eine Lähmung der Atemmuskulatur zur Folge haben. Doch sind Todesfälle generell selten, da entsprechende Gegengifte im Verbreitungsgebiet oft vorhanden sind.

Ebenfalls in Australien beheimatet ist die giftigste Landschlange der Welt, der Inland-Taipan (Oxyuranus microlepidotus). Er ist tagaktiv und ernährt sich von Ratten und Mäusen. Sein Verbreitungsgebiet ist sehr begrenzt und beschränkt sich weitgehend auf unbewohnte Gebiete. Auch er ist eher scheu und greift nur an, wenn er sich bedroht fühlt. Sein Gift ist neurotoxisch: Es wirkt sehr schnell, speziell auf Nervenzellen und Nervengewebe.

Der Küsten-Taipan (Oxyuranus scutellatus), die längste Giftschlange Australiens, dagegen bevorzugt die besiedelten Küstengebiete. Im hohen Gras, in Wäldern oder in Zuckerrohrplantagen, ja sogar in menschlichen Behausungen fühlt er sich wohl. Wie der Inland-Taipan ist er Menschen gegenüber eher scheu. Fühlt er sich jedoch angegriffen, so kann der Biss fatale Folgen haben. Sein Gift wirkt auf das Nervensystem und auf die Blutgefäße.

 

 

Die Texas Klapperschlange (Crotalus atrox) aus der Familie der Vipern gehört zu den „ehrlichen“ Schlangen, so Dr. König. Bei Bedrohung beißt sie nicht sofort zu, sondern flieht oder verhält sich ruhig. Erst wenn sie sich angegriffen fühlt, warnt sie mit einem lauten rasselnden Geräusch. Ihr Gift greift die Blutzellen und das Gewebe an und kann unbehandelt zum Tode führen.

Die Terciopelo-Lanzenotter (Bothrops asper) ist eine in Mittel- und Südamerika beheimatete sehr aggressive Schlangenart. Ihr Gift wirkt gewebezerstörend und führt häufig bei zu spät eingeleiteter Behandlung zu schweren Nekrosen.

Der Todesotter (Acanthophis antarcticus) aus der Familie der Giftnattern können wir auf einer Reise durch Australien begegnen. Sie ist überwiegend nachtaktiv und lebt versteckt im Sand oder Laub. Ihr Gift löst Muskelstarre aus. Doch es gibt Gegengifte.

Die Große Anakonda (Eunectes murinus) ist eine Schlangenart aus der Familie der Boas. Sie ist in Südamerika anzutreffen und zählt mit einer Länge von etwa 10 Metern zu den größten Riesenschlangen. Sie lebt bevorzugt in und an Gewässern. Obwohl es sich nicht um eine Giftschlange handelt, kann eine „Umarmung“ lebensgefährlich sein.

Gefahren drohen dem Reisenden nicht nur in den Regenwäldern, Wüsten, Bergen und ganz gewöhnlichen Wohngegenden auf sämtlichen Kontinenten. Auch an Badestränden und sogar im Flachwasser lauern zahlreiche Gefahren. Besonders interessant waren auch hier - neben erstklassigen Farbdias – Informationen über das artspezifische und individuelle Verteidigungsverhalten der einzelnen Tiere. Stichwortartig seien hierbei nur einige Beispiele wie die Portugiesische Galeere, die Würfelquallen, die Riesenmördermuscheln, die Kegelschnecken, die Blaugeringelten

Leistenkrokodil (Crocodylus porosus)

Kraken, die Diademseeigel, die Petermännchen, die Steinfische und die Rochen benannt. Hinzu kamen dann noch die tropischen Raubfische sowie Riesen der Meere und Flüsse: Barracudas, Haie und im Süß- und Salzwasser lebende Krokodile.

Vielen Dank Herr Dr. König für diesen ausführlichen und aufschlussreichen Vortrag!

anboe