Topnavigation

Zur Geschichte von Exoten

"Das habe ich mitgebracht: Zur Geschichte von Exoten in Landwirtschaft und Garten" waren die einleitenden Worte von Dr. Helmut Kroll, als sich eine interessierte Grupppe  erwartungsvoll zur Lehrwanderung am 06. Oktober 2013 traf, und er führte weiter aus, dass viele Dinge nur ein wenig anders als gewohnt aussehen und deshalb von uns nicht als exotisch wahrgenommen werden, obwohl sie von sehr weit her stammen. Dabei verwies er auf ein Beet mit Herbstanemonen, die in Taiwan und China

beheimatet sind. Und er erläuterte weiter, dass es andererseits Pflanzen gibt, die exotisch anmuten, es aber nicht sind und führte uns zur Verbänderten Rosskastanie (Aesculus hippocastanum "Monstrosa"). Zwar sieht sie eher fremdländisch aus, doch alle Cristata-Formen einer Rosskastanie auf der Welt stammen direkt von hier, aus Kiel, genauer gesagt vom Eichhof-Friedhof. Dort entdeckte 1933 der damalige Leiter des Botanischen Gartens, Hermann Jacobsen, einen verbänderten Zweig. Entgegen der Lehrbuchmeinung "Sie blüht und fruchtet nicht" kam die Pflanze erstmals im Jahr 2009 zur Blüte und dann auch in den Jahren 2010 und 2011. Interessant dabei ist:  Diese verbänderte Roßkastanie ist weltweit die einzige, die bisher geblüht hat – gefruchtet hat sie allerdings noch nicht.

Unser Weg führte zur Weißesche (Fraxinus americana), die vom Blattaustrieb her sowie von den Blüten und Früchten unserer Gemeinen Esche sehr ähnlich sieht, doch ist die Heimat der Weißesche Nordamerika.

Vor dem Kamelienhaus erfuhren wir, dass die Kamelie zur Familie der Teestrauchgewächse mit mehreren Hundert Pflanzenarten zählt, darunter auch die bekannte Camellia japonica, die zwar bei uns zur Modepflanze geworden ist, in Japan jedoch eine besondere Bedeutung hat - ihre Blütenblätter stehen als Symbol für Tod und Vergänglichkeit.

Der Ginkgobaum (Ginkgo biloba) stammt aus China und ist der einzige Vertreter einer bereits ausgestorbenen Gruppe von Samenpflanzen. Botanisch gesehen gehört er weder zu den Nadel- noch zu den Laubbäumen, und obwohl seine Blätter eher einem Laubbaum ähneln, ist er mit den Nadelbäumen näher verwandt. Er wird auch als „lebendes Fossil“ bezeichnet. Holländische Seefahrer brachten ihn von Japan nach Europa. Genutzt wird er als Zierbaum (Tempelbaum), als Nahrungsmittel, und er findet in der Medizin  zahlreiche Anwendungsgebiete. Weil die Früchte des Ginkgobaumes angeblich stinken und giftig sind, werden bei uns überwiegend stecklingsvermehrte männliche Bäume gepflanzt. In China dagegen gelten die gerösteten Samenkerne als Delikatesse!

Würdevoll stand sie dann vor uns: die Blaue Atlas-Zeder (Cedrus atlantica) aus der Familie der Kiefergewächse. Sie präsentierte sich mit zahlreichen Blütenständen. Im Altertum galt die Zeder als „schönster Baum der Erde“ und war Symbol für Kraft und Erhabenheit. Das Holz war wegen seiner Dauerhaftigkeit sehr begehrt und diente den Ägyptern zum Bau von Palästen und Tempeln, aber auch für den Schiffsbau. Das aus den Zapfen der Zeder gewonnene Öl sowie das Harz des Baumes dienten im Altertum als Heilmittel, zur Imprägnierung und als Räuchermittel.

Das Schilf wurde hierzulande verdrängt vom Pfahlrohr (Arundo donax). Es gehört zur Familie der Süßgräser (Poaceae) und gilt in den wärmeren Gebieten Europas als invasive Art. Bei uns ist das Pfahlrohr nicht winterhart und muß mit einer dicken Laubschicht abgedeckt werden. Es wird heute noch eingeschränkt als Futtermittel und zum Bau von Instrumenten wie beispielsweise den Dudelsack oder für die Pfeifen der Panflöte genutzt.

Wir wanderten weiter zum Süßgräserbeet mit alten Kulturpflanzen wie die Bluthirse (Digitaria sanguinalis), auch Mannagras oder Blutfennich genannt, die Kolbenhirse (Setaria italica), die Gemeine Hühnerhirse (Echinochloa crus-galli), die Rispenhirse (Panicum miliaceum) und den Puff- oder Perlmais (Zea mays).

Eine weitere Vertreterin aus der großen Familie der Süßgräser, die Hiobsträne (Coix lacryma-jobi), präsentierte ihre dunklen Scheinfrüchte, die als Perlen in Rosenkränzen Verwendung finden.Beliebt in der Makrobiotischen Küche und gleichzeitig Heilpflanze. Die Samen können wie Gerste als Bier gebraut, oder geröstetzu Getreidekaffee verarbeitet werden.

Wir erfuhren, dass die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) zur Familie der Zeitlosengewächse (Colchicaceae).gehört und giftig ist.

Nächste Station war der überaus schnittverträgliche und immergrüne Buchs (Buxus sempervirens "Bullata").

Nun standen wir vor einem mächtigen Walnussbaum (Juglans regia).

Ein weiterer Punkt war der majestätisch anmutende Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides) aus der Familie der Zypressengewächse. Mit einem Zuwachs von 60 bis 100 Zentimeter im Jahr stellt diese Art einen Wachstumsrekord für Nadelhölzer auf.

Nun waren die Knöterichgewächse an der Reihe. Vertreten wurden sie durch den Buchweizen, der kein Weizen, sondern eine Pseudogetreideart ist, die sogar roh gegessen werden kann. Er hat einen hohen Gesundheitswert und seine Blüten stellen eine vorzügliche Bienenweide dar, erklärte Helmut Kroll.

Wir erreichten ein feurig strahlendes Beet mit Vertretern aus der Pflanzengattung Amarant.

Am Beispiel der Fuchsien erzählte uns Helmut Kroll, dass Insekten nicht in der Lage sind, rot zu sehen. Deshalb haben sich einige Pflanzenfamilien an die Bestäubung durch Vögel angepasst. Man nennt dies Ornithophilie. Vogelblumen sind meist rot, haben große und robuste Blüten und weil Vögel nicht gut riechen können, fehlt der Duft meist völlig. Die wohl bekanntesten Blumenvögel sind die Kolibris, die beispielsweise auch Fuchsien, manche Kakteen oder die Amerikanische Klettertrompete  bestäuben.

Mit prächtiger Herbstfärbung begrüßte uns der Wunderbaum (Ricinus communis). Es handelt sich um eine großblättrige tropische Pflanze. Uns ist das Rizinusöl als mildes, harmloses Abführmittel wohlbekannt, die rohen Samen dagegen sind sehr giftig!

Die Wilde Blasenkirsche (Physalis alkekengi), auch Lampionblume genannt,  gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Die Früchte der Lampionblume sollten nicht mit der peruanischen Kapstachelbeere (Physalis peruviana) verwechselt werden, denn die Früchte der Lampionblume sind ungenießbar bis leicht giftig!

Die Ess- oder Edelkastanie (Castanea sativa) gehört zur Familie der Buchengewächse. Wie kennen ihre Früchte unter der Bezeichnung Maronen.

Zum Abschluss wurden uns noch die Vogelkirsche (Prunus avium), der Holzapfel (Malus sylvestris) und die Garten-Birne (Pyrus communis) näher gebracht.

Ein herzliches Dankeschön für diesen Interessanten Ausflug in die Welt der Exoten in Landwirtschaft und Garten an Dr. Helmut Kroll.

AnBoeh