Gehölzbestimmung im Winter

Trotz extrem schlechter Witterungsverhältnisse fand sich am 20.02.2016 eine recht ansehnliche Gruppe an unerschrockenen Pflanzenfreunden zur „Gehölzbestimmung im Winter“ ein. Nach einer freundlichen Begrüßung durch Susanne Petersen verteilte diese vorbereitete Zweige zur näheren Betrachtung an die Teilnehmer. Eigentlich sind im Winter Gehölze leichter zu bestimmen als im Sommer, erläuterte die Diplom-Biologin, helfen doch Knospen, Zweigfarben, Beschaffenheit der Borke oder vertrocknete Früchte wegen der meist fehlenden Blätter dabei, Laubbäume und Sträucher zu identifizieren.

 

Auf dem Weg Richtung Amerika näherten wir uns einer Robinie (Robinia pseudoacacia, aus der Familie der Schmetterlingsblütler). Sie wird wegen ihrer einer Akazie ähnlich sehenden gefiederten Blätter auch Scheinakazie genannt. Trotz ihrer amerikanischen Abstammung ist sie in Mitteleuropa als Garten- und Straßenbaum weit verbreitet. Sie zählt zu den Pioniergehölzen und ist als Neophyt mit hohem Ausbreitungsdrang (auch über vegetative Vermehrung = Wurzelbrut) bekannt. Früchte, Samen, Blätter und Rinde sind giftig. 

Typisches Erkennungsmerkmal sind die paarigen, rot-braunen Dornen an den Zweigen. 

Robinie: Paarige Dornen, Knospen nicht sichtbar.

 

In der Krone sind braune Hülsenfrüchte vom Vorjahr zu erkennen. 

 

Korkenzieher-Robinie „Tortuosa“ (Robinia pseudoacacia cv. Tortuosa). 

Auffällig ist die graubraune und tiefgefurchte Borke, auch Netzborke genannt.

Wir wanderten weiter zur Gewöhnlichen Haselnuss (Corylus avellana, aus der Familie der Birkengewächse). Als Frühblüher liefert die Haselnuss reichlich Pollen für die Bienen. Deutlich zu erkennen sind die langen Kätzchen (männliche Blüten). Und nur wer ganz genau hinsieht, kann die unscheinbaren, weiblichen Blüten mit ihren roten Narben erkennen. Die Nüsse dienen insbesondere Eichhörnchen und Vögeln als beliebte Nahrungsquelle. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind.

Doch handelt es sich hier um einen Baum oder einen Strauch und wie unterscheiden sie sich? Bäume besitzen in der Regel einen Stamm mit einer Sprossachse. Durch das sekundäre Dickenwachstum wird jährlich ein neuer Jahresring gebildet und der Baum nimmt so an Umfang zu. Sträucher dagegen besitzen mehrere von der Basis ausgehende Sprossachsen, erläuterte Petersen.

Gewöhnliche Haselnuss: Eindeutig zu erkennen, es handelt sich bei diesem Exemplar um einen Strauch. 

 

 Zweige der Haselnuss mit wechselständigen Knospen und männliche Kätzchen.

  

Weiter ging es zur Vogel-Kirsche (Prunus avium, aus der Familie der Rosengewächse). Die Vogel-Kirsche gehört zu den wertvolle Bienenfutterpflanzen; Vögel lieben ihre kleinen Früchte.

 Vogel-Kirsche: Zweig mit Knospenansätzen.

 

Vogel-Kirsche: Stamm mit langen waagrechten Lentizellen.

 

 Susanne Petersen erläutert das "Geheimnis der Lentizellen".

 

Die sehr rasch wachsende Nordamerikanische Platane (Platanus occidentalis, aus der Familie der Platanengewächse) konnte wegen ihrer auffälligen Schuppenborke am Stamm leicht zugeordnet werden. Es handelt sich um den größten Laubbaum Amerikas, der bis zu 50 Meter hoch werden kann. In den kugeligen Fruchtständen verbergen sich flugfähige nussartige Früchtchen.

Platane

 

Als nächstes erreichten wir die Blut-Buche (Fagus sylvatica cv. Atropunicea, aus der Familie der Buchengewächse), auch Rotbuche genannt. Auffällig waren die steil nach oben strebenden Äste und die davon ausgehenden sich abwärts neigenden Zweige. Die Rinde bleibt glatt (unverborkt), ein Leben lang. Die stachelige Fruchthülle enthält zwei (schwach giftige) Bucheckern.

 

Blut-Buche mit glatter, olivgrüner Rinde und einigen Blättern vom Vorjahr.

 

Wechselständige Blattknospenstellung der Blut-Buche.

 

Bei den „Heimischen Lebensräumen“ erwarteten uns zahlreiche Vorfrühlings-Alpenveilchen und Winterlinge.

Frühling hält Einzug.

 

Beim Wolligen Schneeball (Viburnum lanata, aus der Familie der Geißblattgewächse ) handelt es sich um einen Großstrauch, der gerne von Insekten und Bienen besucht wird und als wichtiges Vogelnährgehölz gilt. Er ist deshalb in Gärten häufig anzutreffen.

Deutlich zu unterscheiden: Wolliger Schneeball mit Blütenknospe (links) und vegetativer Knospe (rechts). 

Wir erfuhren von den Besonderheiten des Erlenbruchs als heimischer Lebensraum. Dort standen wir vor der wasserverträglichen Schwarz-Erle (Alnus glutinosa aus der Familie der Birkengewächse). Mit der Zeit verfärbt sich ihr Stamm schwarz, daher kommt der Name.

Schwarz-Erle mit Kätzchen und Früchteständen vom Vorjahr. 

 

Besonderheit: Die Blattknospen sind lilafarbig, die Seitenknospen sind lang gestielt. Bei den Früchten handelt es sich um verholzende Zapfen. Die darin enthaltenen Samen werden über den Wind verbreitet.

 

An dieser Stelle endete wegen der anhaltenden Kälte die interessante Führung. Gerne nahmen wir den bereitgestellten Kaffee mit Kuchen zum Aufwärmen an.

 

Ein herzliches Dankeschön an Susanne Petersen an dieser Stelle, wir freuen uns schon heute auf die Fortsetzung der Führung.

Fotomaterial wenn nicht anders angegeben: Manfred Böhmer

AnBoeh