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Gehölzbiologie

Warum Bäume nicht in den Himmel wachsen

Die Welt der Bäume und Sträucher in sieben Kapiteln - zahlreiche Abbildungen und Farbfotos erklären den Aufbau von Stamm und Krone, die innere Zellstruktur, die Wurzel, die Blätter, die Fortpflanzung und Vermehrung von Bäumen und den Zerfall von Laub und Holz. Mit einem Exkurs zu äußerst interessanten Bäumen der Superlative schließt sich der Kreis.

Die Frage, warum Bäume nicht in den Himmel wachsen, machte mich neugierig. Der Autor Prof. Dr. Dietrich Böhlmann geht über die Fragestellung weit hinaus und beschreibt ausführlich anhand zahlreicher Beispiele die Vielfalt baumförmiger Lebensformen. Er schildert dabei den Aufbau eines Baumes und erläutert u.a. die Unterschiede zwischen dem Wachstum von Bäumen und Sträuchern, die Entstehungsgeschichte der Borken, die Bildung von Korkleisten und wie Bäume und Sträucher sich zu wehren wissen.

Das Kapitel über die innere Zellstruktur enthält Antworten auf die Fragen nach dem Beginn des Längen- und Dickenwachstums von Bäumen, beschreibt zum Beispiel den jährlichen Lebenszyklus der laubwerfenden Bäume und erklärt die Wachstums- und Entwicklungssteuerung durch Hormone.

Bau- und Wachstum einer Wurzelspitze, Metamorphosen und Symbiosen im Wurzelbereich sowie die Aufnahme und Weiterleitung des Wassers durch die Wurzeln fand ich besonders spannend. Denn hier wird auch das Geheimnis der Höhenwachstumsgrenze und damit die Antwort auf die Frage, warum Bäume nicht in den Himmel wachsen können, enthüllt!

Den Blättern als wichtiges Bestimmungsmerkmal zur Artbeschreibung ist ebenfalls ein ausführlicher Abschnitt gewidmet. Hier finden sich Antworten auf Fragen wie z. B. Blätter durch Metamorphose zu Dornen werden, sich Nadel- und Laubblätter von der Struktur her unterscheiden, die Knospen das Wachstum von Gehölzen fortsetzen, Knospenschuppen junge Triebe schützen und wie Bäume sich mit Hilfe von Blättern und Blüten aktiv bewegen können. Ebenso wird u.a. die Bedeutung der Fotosyntheseleistung eines Baumes dargestellt.

Auch das Blühalter, die Blühregelmäßigkeit und die Keimfähigkeit beschreibt der Autor anhand sehr interessanter und zum Teil außergewöhnlicher Pflanzen. Die Merkmalssyndrome verschiedener Pflanzen an ihre Bestäuber werden mit Fotos, Zeichnungen und Übersichten anschaulich gemacht.

Und dem Zerfall von Laub und Holz im Kreislaufgeschehen unter ökologischen Gesichtspunkten widmet der Autor ein weiteres Kapitel. Themen dabei sind die Verfärbung des Herbstlaubes und seine Trennung vom Spross, die Rückführung des zersetzten Herbstlaubes in den Stoffkreislauf sowie der Zerfall eines abgestorbenen Baumes und wie daraus neues Leben entstehen kann!

Zum Abschluss wird der Leser in die spannende Welt der Superlative versetzt. Wussten Sie, dass … der Küsten-Mammutbaum Höhen von mehr als 100 m, der Berg-Mammutbaum einen Umfang von 32 m und die Grannenkiefer ein Alter von 4.900 Jahren erreichen kann? Oder dass die Eukalyptus-Bäume zu den schnellstwachsenden Bäumen gehören und die Welwitschia mirabilis, von Darwin als „Schnabeltier unter den Pflanzen“ bezeichnet und von Botanikern auch als ein „im frühen Jugendstadium verharrender Baum ohne oberirdischen Stamm und Krone“ mit zwei lebenslang haltenden, riemenförmigen Blättern umschrieben wird? Darüber hinaus werden der Seychellenpalme mit dem größten Samen des gesamten Pflanzenreiches, den größten, dicksten und mächtigsten Bäumen in Deutschland (Beispiele dafür: Tanne und Douglasie), dem Ginkgo-Baum als lebendes Fossil und den in jüngerer Zeit erst wieder aufgefundenen Bäumen wie Serbische Fichte, Urwelt Mammutbaum und Wollemi-Kiefer besondere Beachtung geschenkt.

Fazit: Um das Buch wirklich verstehen zu können, bedarf es meiner Ansicht nach aufgrund der Komplexität der behandelten Themen fundierter botanischer Kenntnisse. Für den an der Biologie von Bäumen und Sträuchern interessierten Naturfreund ist es wahrscheinlich unumgänglich, zumindest einzelne Kapitel mehrmals zu lesen, um diese verstehen zu können. Diese Vorgehensweise stellt sich für mich jedoch als Bereicherung dar, denn unabhängig davon, wie viel der Einzelne beim ersten Lesen wirklich versteht, sein Blick wird geschärft und er sieht die Welt der Bäume in einer ganz neuen Perspektive. Ich kann deshalb das Buch uneingeschränkt empfehlen.

Besonders angenehm empfand ich auch das handliche Format des Buches. Ein Glossar erklärt die Fachtermini und der 2. Auflage des Buches wurde ein Register hinzugefügt.

Über den Autor

Prof. Dr. Dietrich Böhlmann ist emeritierter Ordinarius der Technischen Universität Berlin. Er studierte Forstwirtschaft in Eberswalde sowie Biologie, Chemie und Sport in Göttingen und promovierte in Freiburg auf dem Gebiet der Forstbotanik. Nach einer Dozentur an der PH Duisburg erhielt er eine Professur für Botanik an der TU Berlin, wo er fast 30 Jahre gelehrt hat.

 

Leseprobe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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