Topnavigation

Die Vielfalt kehrt zurück

Alte Gemüsesorten nutzen und bewahren

Als Pflanzenfreundin von Kindesbeinen an hat mich der Titel "Die Vielfalt kehrt zurück" neugierig gemacht. Die Autorin Ina Sperl erläutert eingangs die Unterschiede zwischen "alten" Gemüsesorten und Hybriden. Während beim Saatgut samenfester Pflanzen wiederum Pflanzen mit denselben Eigenschaften entstehen und diese noch natürlich vermehrt werden können, ist dies bei Hybriden in der Regel nicht der Fall. Bei Hybriden erster Generation (F1)

handelt es sich um Kreuzungen zwischen Eltern verschiedener Arten oder Sorten. Hauptvorteile sind eine rentablere Bewirtschaftung im Erwerbsanbau, ein der Norm entsprechendes Aussehen und eine Resistenz gegen bestimmte Pflanzenkrankheiten. Das entstehende Saatgut der folgenden Generation (F2) ist jedoch nicht keimfähig oder lässt keine erfolgreiche Ernte erwarten, weil die Eigenschaften, die in der Hybride vereint wurden, nicht an alle Nachkommen weitergegeben werden. Deshalb muss das nicht gerade preiswerte Saatgut jährlich hinzugekauft werden – ein Teufelskreis.

Doch was zeichnet nun die alten Sorten aus? Sie sind häufig sehr robust, können im Freiland angebaut werden und benötigen keinen Kunstdünger. Sie haben sich im Laufe der Zeit an ihre Umgebung und an die klimatischen Verhältnisse angepasst und sind so für den Bioanbau wie geschaffen. Doch wurden sie vom Markt verdrängt, weil sie nicht immer normgerecht wachsen, die Ernte nicht maschinell erfolgen kann und der Ertrag oftmals schwankend und damit weniger rentabel ist.

Aber ich erinnere mich noch an den unvergleichlichen Geschmack und den Duft einer Tomate, einer frischen Gurke oder von frischen Möhren aus dem Garten meines Onkels! Gewiss, der Krümmungsgrad der Gurke entsprach nicht der heutigen Norm, aber der Geschmack war einfach köstlich! Viele dieser an unsere klimatischen Verhältnisse perfekt angepassten Gemüsesorten sind mittlerweile vom Aussterben bedroht. Zum Glück haben in vielen Gegenden engagierte Gärtner regionale Sorten gesammelt um sie regelmäßig anzubauen und wieder in die Gärten zu bringen. Von solchen Menschen und ihren Schätzen erzählt dieses Buch in 15 Kapiteln. Es enthält neben ausführlichen Beschreibungen wertvolle Tipps und Rezepte. Und auch Kurioses, denn ehrlich gestanden, von Schluddererzen, einer alten bergischen Sorte der Zuckererbse, habe ich noch nie etwas gehört. Sie soll violett blühen und viel besser schmecken als die heute üblichen weißen Sorten.

Für Salatliebhaber porträtiert Jürgen Wehrle seine "Teufelsohren", die von Schnecken verschont bleiben, zumindest wenn es genügend Leckerbissen in der Nähe gibt, und er stellt die zarten "Hirschzungen", die knackigen "Kanarienzungen" und den besonders wohlschmeckenden "Forellenschluss" vor.

Interessant fand ich auch, dass Pastinaken in Röhren gezogen werden können mit dem Vorteil, dass der erhöhte Rand es den Schnecken schwer macht, an die Pflanzen heranzukommen.

Daniela Hämmerle stellt "Rattenschwanz-Radies" vor, die von den Schnecken in Ruhe gelassen werden und sogar im Topf gezogen werden können.

Sämtlichen Pflanzenportraits ist anzumerken, dass sie von engagierten und praxisorientierten Pflanzenliebhabern stammen. Die Vorstellung der einzelnen Pflanze endet jeweils mit einer Rubrik „Was?, Wann?, Wohin?“. So werden die speziellen Bedürfnisse und die Pflege der Pflanze, die benötigte Anzahl sowie der Erntezeitpunkt beschrieben. Hinzu kommen Tipps zur Haltbarmachung und Verarbeitung der jeweiligen Gemüsesorte hinzu.

Wo es noch mehr an weiterführenden Informationen zu entdecken gibt, ist dem Serviceteil zu entnehmen.

Das Buch inspiriert dazu, wertvolle alten Gemüsesorten im eigenen Garten oder auf kleinstem Raum zu bewahren und damit eine Wiederkehr der Vielfalt zu ermöglichen. Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen.

AnBoeh

Über die Autorin

Ina Sperl lebt in Köln und ist selbstständige Journalistin, die regelmäßig für regionale und überregionale Tageszeitungen sowie den Westdeutschen Rundfunk schreibt. Die Saat, aus der ihre Leidenschaft für alles Grüne und Gärtnerische wächst, stammt aus dem großen Garten, in dem sie ihre Kindheit verbrachte.

   Blick ins Buch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ina Sperl. 2013, 176 Seiten, 200 Farbfotos, 15 farbige Illustrationen, geb. mit SU. ISBN 978-3-8001-7898-8, € 24,90.