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... zu Rinden und Borken

Schon die Umschlagseite des Gartenführers zum Thema Rinden und Borken hatte uns neugierig gemacht. "Wieso ist die Birkenborke weiß? Woher stammt der Korken meiner guten Flasche Wein? Was ist eigentlich ein „Versorgungsschatten“ und gibt es Chinesenbärte nur in Asien?"

Wir wollten Antworten finden und so machten wir uns am vergangenen Sonntag  auf Erkundungstour, um die vielfältigen Formen und Farben von Baumstämmen zu entdecken.

Begleiten Sie uns zu den verschiedenen Orientierungspunkten in den Außenanlagen und durch die Gewächshäuser.


Rotbuche

Mit kräftigen, steil aufwärts strebenden Ästen und davon ausgehend sich abwärts neigenden Zweigen steht sie vor uns: Die Rotbuche, auch Blutbuche genannt. Die Rinde ist unverborkt, glatt, olive-braun (bei jungen Buchen) bis silbergrau und leicht glänzend. Doch bereits an dieser Stelle stellt sich für uns die Frage: Was ist Rinde und was genau ist unter Borke zu verstehen? Der Gartenführer gibt Auskunft: 

Betrachtet man den Stammquerschnitt eines Baumstammes, so besteht dieser aus

  • einem dicken Holzkern,
  • dem für das sekundäre Dickenwachstum des Baumes zuständigen Kambium
  •  und einem vergleichsweise dünnen Rindenanteil.

Das Kambium besteht aus teilungsfähigen Zellen und bildet nach innen das Holz und nach außen den Bast, der im Gegensatz zum Holz aus lebenden Zellen besteht. In der Regel ist ein spezielles Korkkambium für die Korkbildung zuständig. Zusammen mit weiter aussen liegendem Gewebe – beides durch fehlende Versorgung abgestorben – bildet der Kork die Borke. Sie schützt den Baum vor schädlichen Witterungseinflüssen und erschwert das Eindringen von Pilzen, Bakterien und Insekten und bildet zusammen mit dem Bast die Rinde. Die Rinde besteht also aus den verschiedenen Gewebeschichten außerhalb des Kambiums.

Auf unserem Rundgang werden wir verschiedene Abschlussgewebetypen an Bäumen kennenlernen: Die Glattrinde (Buche), die Netzborke (Robinie, Tulpenbaum, Gemeine Kiefer), die Ringelborke, auch Ringelkork genannt, (Hänge-Birke, Papierbirke), „Korkleisten“ (Amerikanischer Amberbaum, Flügel-Spindelstrauch), die Streifenborke (Urweltmammutbaum), die Schuppenborke (Platane, Kanarische Kiefer, Gewürznelkenbaum, Echte Guave) und Stacheln (Zahnwehbaum, Kapokbaum).


 Platane

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir erreichen einen mächtigen Baum mit einer auffälligen Rinde (blättrige Schuppenborke). Diese löst sich alljährlich in unregelmäßig großen Platten vom Stamm und den Ästen ab und erzeugt dabei ein auffälliges, scheckiges Muster. Dieser Vorgang ist ganz natürlich und hängt mit dem wiederholten Anlegen von Korkkambien zusammen. Platanus occidentialis (Abendländische Platane) gehört zu den mächtigsten und langlebigsten Bäumen.


Robinie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die gewöhnliche Robinie wird auch Falsche Akazie, Scheinakazie oder Silberregen genannt. Sie stammt ursprünglich aus Nordamerika. Auffällig ist die graubraune und  tiefgefurchte Borke, auch Netzborke genannt. Insbesondere die Rinde und die Früchte gelten als stark giftig. Die Korkenzieher-Robinie „Tortuosa“ fällt durch ihre verdrehten Äste und überhängenden korkenzieherartigen Zweige auf.


Hänge-Birke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von weitem leuchtet uns die Hänge-Birke, auch Sandbirke, Weißbirke oder Warzenbirke genannt, mit ihrer schwarz-weißen Borke entgegen.

Die weiße Farbe kommt durch Einlagerung eines weißen Farbstoffes (Betulin) zustande. Dieses reflektiert das Licht vollständig, wodurch die Rinde weiß erscheint.  Die weiß gefärbte Rinde wirkt als Schutzmechanismus gegen Rindenbrand (Rindenschäden durch intensive Sonneneinstrahlung).


 Gemeine Kiefer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Während bei jungen Kiefern die Borke noch glatt ist, bilden sich mit zunehmendem Alter im unteren Stammbereich tiefrissige und grobe Schuppen.


Mistel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer kennt sie nicht, die Mistel mit ihren weißen Beeren? Vögel lieben sie und schon bei Asterix mischte Miraculix, der Druide, diese in den Zaubertrank. Als Halbschmarotzer wurzelt die Mistel auf verschiedenen Baumarten und enthält in ihren Blättern und Stängeln Giftstoffe. Wir unterscheiden die Laubholz-Mistel (Viscum album), die Tannen-Mistel (Viscum abietis) und die Kiefern-Mistel (Viscum laxum).


Verbänderte Rosskastanie

Die Verbänderte Rosskastanie gehört zu den besonderen Raritäten des Botanischen Gartens.
Ein Schild erzählt die interessante Geschichte.


Kleinfrüchtiger Walnussbaum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bewundern Sie die zahlreichen Bewohner des Kleinfrüchtigen Walnussbaums. Hier leben auf Ästen und Zweigen Pilze und Algen in Form von verschiedenfarbigen Flechten. Interessant: Flechten sind eine Symbiose (= das Zusammenleben zweier Organismen zum gegenseitigen Nutzen) zwischen einem Pilz und Grünalgen oder Cyanobakterien (Blaualgen). Der Pilz schützt die Flechte vor Austrocknung, Frost und Umwelteinflüssen. Die Algen und Cyanobakterien können Fotosynthese betreiben, und versorgen sich und den Pilzpartner mit Kohlenhydraten.

Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere. Sie bilden ein eigenes Reich. Flechten werden den Pilzen als eine eigene Organismengruppe zugeordnet.


Amerikanischer Amberbaum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besonders auffällig ist die Rinde des Amerikanischen Amberbaums. Hier haben sich bereits Korkleisten gebildet und zahlreiche Flechten besiedeln die Äste und Zweige.


 Urweltmammutbaum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Urweltmammutbaum wird auch Chinesisches Rotholz oder Wassertanne genannt und gilt als „lebendes Fossil“. Von weitem leuchtet uns der kräftige Stamm mit seiner rotbraunen Borke entgegen. Weil diese sich in Streifen ablöst, bezeichnet man diesen Borkentyp als Streifenborke. Die Rinde der Zweige sind anfangs grün und werden später graubraun.


 Tulpenbaum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie bei den Robinien bereits gesehen besitzt auch der Tulpenbaum eine Netzborke. Auch eine beginnende Überwallung konnten wir entdecken (siehe Bild rechts oben).


 Zahnwehbaum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besonders bizarr empfinden wir den Stamm des Zahnwehbaums, der auch Eschenblätteriges Gelbholz genannt wird. Das Kauen der Rinde soll gegen Zahnschmerzen helfen. Zahlreiche Flechten und Algen bewohnen die Äste.


Flügel-Spindelstrauch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Flügel-Spindelstrauch ist an den arttypischen Korkleisten zu erkennen. Der Strauch ist in allen Teilen giftig.


Papierbirke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Papierbirke, auch Kanu-Birke oder Amerikanische Weiß-Birke genannt, ist deutlich an der hell leuchtenden Rinde zu erkennen. An vielen Stellen blättert die Borke in waagerechten Streifen ab. Auffällig sind auch die horizontalen Linien am Stamm, auch „Korkporen“ genannt. Wegen der wasserabweisenden und luftundurchlässigen eingelagerten Stoffe, die den Baum hauptsächlich vor Wasserverlust schützen, benötigt der Baum die Korkporen um atmen zu können. Schon die Ureinwohner Nordamerikas nutzten die wasserdichte, dünne Rinde beim Bau von Kanus und als Schreibmaterial.


 Dem Geheimnis der „Chinesenbärte“ auf der Spur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eifrig machten wir uns auf den Weg, um „Chinesenbärte“ ausfindig zu machen. Dabei bedurfte es mehrerer Anläufe. Denn der Unterschied zwischen Überwallung, Astkragen und Winkelnarbe an der Austrittsstelle eines Seitenastes war uns nicht klar. Winkelnarben, auch Chinesenbärte genannt, können insbesondere bei Buche, Erle, Ahorn, Pappel, Rüster und Birke beobachtet werden. Bei Bäumen also mit einer vergleichsweisen glatten Stammoberfläche bzw. fehlender Borke. Verantwortlich für das Entstehen derartiger Winkelnarben ist wiederum das für das Dickenwachstum zuständige Kambium, das während der Wachstumszeit neue Zellen nach innen und außen bildet. Dadurch wird die Rinde im Winkel zwischen Baumstamm und Ast zusammengeschoben. Damit erklären sich auch die verschiedenen Krümmungslinien der Winkelnarben. Je länger diese bestehen desto flacher werden sie.

Nach dem ausführlichen Rundgang ist uns kalt geworden. Wir folgen dem nächsten Orientierungspunkt und betreten die Eingangshalle des Gewächshauses. Zu unserer Freude können wir eine kleine Pause mit Kaffee und Kuchen einlegen.

Wir bewundern den Ceylonzimt-Baum (Cinnamomum verum). Leider ist uns wegen der hohen Luftfeuchtigkeit im Tropenhaus kein präsentables Foto gelungen.


 Gewürznelke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bewundernd stehen wir vor dem Gewürznelkenbaum mit seiner farbigen Schuppenborke.

 


Parakautschukbaum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Parakautschukbaum stammt aus Südamerika und gehört der Familie der Wolfsmilchgewächse an. Der aus der Rinde gewonnene Milchsaft, auch Kautschuk oder Latex benannt, ist für die industrielle Nutzung von hoher wirtschaftlicher Bedeutung.


 Baumfarn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Nebelwaldhaus treffen wir auf die eindrucksvollen Baumfarne. Wie der bereits besuchte Urweltmammutbaum gehören die Baumfarne ebenfalls zu den lebenden Fossilien. Sie existieren schon seit 145 bis 66 Mio. Jahre vor unserer heutigen Zeit.


Korkeiche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir wandern vom Nebelwaldhaus in das Mediterranhaus. Bei der Korkeiche angekommen erfahren wir nun auch, woher der Korken für eine gute Flasche Wein stammt. Der Gartenführer erteilt uns ausführliche Informationen.

Wir begeben uns ins Subtropenhaus und finden einen weiteren interessanten Baum.


Kanarische Kiefer

Mit ihren dicken, rotbraunen Schuppenborken und den sehr langen dreikantigen Nadeln fällt uns die Kanarische Kiefer sofort ins Auge.


Kapokbaum

Der Kapokbaum gehört zu den tropischen Urwaldriesen und wird aufgrund seiner nutzbaren Fasern auch Wollbaum genannt. In den Fruchtkapseln befinden sich Samenhaare, die auch als Pflanzendaunen oder Kapok bezeichnet werden. Besonders interessant ist die mit grünen Streifen gemusterte stachelige Rinde.


Echte Guave

Bevor wir das Aridhaus Amerika erreichen bewundern wir die Schuppenborke und die Früchte der Echten Guave.


Butterbaum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Aridhaus Afrika angekommen stehen wir voller Stolz vor dem Wahrzeichen des Botanischen Gartens Kiel – dem seltenen Butterbaum (Cyphostemma currorii). Mehrere Exemplare kamen bereits vor mehr als hundert Jahren als ausgewachsene Bäume aus Afrika in die Sammlung des Botanischen Gartens. Die abblätternde Borke  ist goldgelb und sehr dünn. Deutlich sichtbar ist die grün durchschimmernde Rinde.


Köcherbaum

Der Köcherbaum (Aloe dichotoma)  mit seiner eindrucksvollen, glatten, wachsartigen, bräunlichen Borke ist eine sukkulente Pflanze. Seine Astgabeln bestehen aus zwei gleichstarken Ästen.


 Kokospalme

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Viktoriahaus begegnen wir der Kokospalme. Bei den Baumfarnen und der Kokospalme findet kein sekundäres Dickenwachstum wie bei den Bäumen statt. Sie erreichen mit dem primären Dickenwachstum bereits ihre Enddicke und wachsen nach Abschluss des primären Dickenwachstums mit gleichbleibender Dicke in die Höhe.

Hier endet der Gartenführer.

Unser Fazit: Was auf den ersten Blick für uns nicht zu erkennen war, ist das im Führer gebotene immense botanische Wissen. Es macht neugierig, fordert auf, seine eigenen Kenntnisse zu erweitern und bietet einen interessanten Einblick in die Welt der Rinden und Borken. Wir haben viele interessante Bäume kennengelernt, die uns bisher nicht aufgefallen sind und betrachten sie nach dieser Exkursion mit völlig anderen Augen.

Sie möchten wissen, wo dieser Gartenführer gegen eine geringe Schutzgebühr zu beziehen ist? Es gibt mehrere Stellen! Eine davon ist in der Eingangshalle des Botanischen Gartens, eine weitere finden Sie beim Haupteingang.

 Fotos: Böhmer

AnBoeh